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Hoch im Norden: der digitale Zwilling Hamburgs

Urbane Datenplattformen spielen in immer mehr Städten eine zentrale Rolle. Zwei Beispiele: Hamburg und München. Ein Zweiteiler gewährt Ein- und Ausblicke.

Moin und Grüß Gott. Dass Verwaltungen in ihren Ansprachen mehr als nette Grußformeln für ihre Bürger brauchen, das zeigt sich in den Bedürfnissen von immer mehr Menschen im städtischen Umfeld. Kurzum: Der Bürger möchte frühzeitig gefragt und in Stadtentwicklungs- und Mobilitätsprozesse eingebunden werden. Ganz abgesehen vom „digitalen Rathaus“, das für viele Menschen und letztendlich eine wachsende Zahl an Städten mittlerweile mehr oder weniger zum Alltag gehört. Doch was heißt das konkret? Die Redaktion der gis.Business stellt in einem Zweiteiler das digitale Tun in Hamburg und München vor. Bestandsaufnahmen, aufgeschnappt im Rahmen der Münchner GI-Runde – durchgeführt vom Runden Tisch GIS e. V. Ende März.

In Hamburg ist die Digitalisierung der Verwaltung längst kein Fremdwort mehr. Das unterstreichen die Verantwortlichen zunächst etwas werblich mit „Tschüss Datensilo. Moin Transparenz“ auf „hamburg.de“. Der Slogan bezieht sich auf die „Urban Data Platform“ der Freien und Hansestadt Hamburg. Das Ganze manifestiert sich nach eigenen Aussagen in der „Bündelung und Vernetzung einer Vielzahl an Daten aus den Bereichen Ver- und Entsorgung, Verwaltung, Gesundheit, Bauwesen, Mobilität, Logistik, Transport und Wirtschaft“. Was sich konkret dahinter verbirgt, das konnten die Teilnehmer der Münchner GI-Runde aus erster Hand erfahren. Sascha Tegtmeyer, vom Landesbetrieb Geoinformation und Vermessung der Freien und Hansestadt (LGV) Hamburg, stellte die Inhalte seiner Keynote im Rahmen der Münchner GI-Runde unter den Titel: „Die Urbane Datenplattform Hamburg – von der Smart City zum digitalen Zwilling der Stadt.“ Grundsätzlich stellt sich in diesem Zusammenhang für Städte die Frage: Wann ist eine Stadt smart?

Kultur des Datenteilens

Eine erste Orientierung zur Beantwortung der Frage bietet die Aussage S. Tegtmeyers: „Erst vernetzen sich Menschen, dann die Daten und Fachsysteme.“ Dahinter steht die Idee, dass der Mensch im digitalen Gefüge einer Stadt der Dreh- und Angelpunkt ist. Kooperation und Bürgerbeteiligung sind in diesem Zuge nur zwei Aspekte in Richtung einer intelligent vernetzten Stadt. Wichtig sind dabei offene Schnittstellen und eine „Kultur des Datenteilens“. Auf dem Weg zum digitalen Zwilling (Digital Twin) sind dies unerlässliche Parameter, um zu einem digitalen und zugleich ganzheitlichen Abbild der Stadt zu gelangen. S. Tegtmeyer spricht in diesem Kontext unter anderem von der bereits vorhandenen Geodateninfrastruktur als Kern der Urban-Data-Plattform (UDP). Den Anstoß und damit das Fundament für das UDP-Vorhaben bildete das Transparenzgesetz. Das wurde im Juni 2012 von der Hamburger Bürgerschaft unter anderem mit dem Ziel verabschiedet, eine umfassende Informationsfreiheit und damit die Demokratie zu fördern, um letztendlich auch das Handeln der Behörden besser zu kontrollieren. Wichtig sei für S. Tegtmeyer in diesem Zusammenhang, dass die Plattform als Marke etabliert würde, um für das Thema außerhalb der Verwaltung zu werben.

Daten, Datenplattformen und Standards

S. Tegtmeyer unterstrich, dass es nicht ausreiche, wenn das Thema einer zentralen Datenplattform intern gesetzt sei. Vielmehr müsse es nach seinen Worten darum gehen, diese auch extern bekannt zu machen. Zudem brauche es seiner Meinung nach das notwendige Wissen, um mit einer Datenplattform umzugehen. Ein wichtiger Punkt, zielt die Datenplattform doch auf unterschiedliche Anwendergruppen ab. Hierzu zählen neben der Verwaltung die Wirtschaft sowie Wissenschaft und letztendlich vor allem die Zivilgesellschaft. Grundsätzlich umschreibt S. Tegtmeyer das Konzept der UDP als „System der Systeme“. Darin sind unterschiedliche Anwendungen integriert, es kommen neue Lösungen hinzu und verschiedene Daten werden vorgehalten. Hierzu zählen beispielsweise Umwelt-, Verkehrs-, Bürger- und Wirtschaftsdaten. Auf dem Weg zur Smart City stellt Experte S. Tegtmeyer den bereits erwähnten Vernetzungsgedanken zuvorderst als zentralen Bestandteil im Rahmen der digitalen Stadtbestrebungen. Hinzu kommen Daten, Datenplattformen und Standards als verbindende Elemente – auch um eine ganzheitliche Sicht auf das Datenmanagement der Stadt zu erlangen. In diesem Kontext stehen urbane Datenplattformen und der digitale Zwilling als moderne Werkzeuge einer integrierten Stadtentwicklung. Mit Blick auf den digitalen Zwilling lässt sich das Konzept am besten mit der Idee eines „Twin of Twins“ übersetzen. Daran arbeitet Hamburg zusammen mit den Städten Leipzig und München im Projekt Connected Urban Twins (CUT), einer Kooperation zur Entwicklung digitaler Zwillinge für Städte und Kommunen. Die Rahmenbedingungen des CUT-Projekts fasst S. Tegtmeyer mit einem Projektvolumen von über 32 Millionen Euro, 73 Smart-City-Modellprojekten und einer Projektlaufzeit von fünf Jahren bis Dezember 2025 zusammen.

Vom Hamburger Modell und dem Nachholbedarf

Inhaltlich geht es dabei unter anderem um eine gemeinsame technologische und konzeptionelle Weiterentwicklung urbaner Datenplattformen sowie digitaler Zwillinge in den drei Städten. Hinzu kommt ein aktiver Wissenstransfer unter Einbeziehung weiterer Städte und Kommunen. Nach S. Tegtmeyer gehe es aber auch darum, digitale Zwillinge als innovative Werkzeuge der zukunftsorientierten integrierten Stadtentwicklung sowie einer transparenten Beteiligung der Stadtgesellschaft zu verstehen. Anders formuliert handelt es sich hierbei in einer letzten Ausbaustufe um die Königsdisziplin, bei der die Steuerung mittels Monitoring sowie von Vorhersagemodellen auf Basis des maschinellen Lernens im Mittelpunkt steht. S. Tegtmeyer sieht bei allen Erfolgen mit dem „Hamburger Modell“ der urbanen Datenplattform und des digitalen Zwillings jedoch noch Nachholbedarf – gerade mit Blick auf den Reifegrad und das sowohl inhaltlich, technologisch als auch semantisch. Kein Wunder, wenn S. Tegtmeyer resümiert: „Wir kennen das Ziel, aber der Weg ist noch weit.“

Auch in München spielt die urbane Datenplattform eine zentrale Rolle. Die Verantwortlichen der bayerischen Landeshauptstadt verstehen sie als zentrale Datendrehscheibe des digitalen Zwillings. Was sich dahinter verbirgt, das erfahren Sie demnächst an gleicher Stelle. Bleiben Sie informiert!


Einen ausführlichen Beitrag zu den digitalen Bestrebungen Münchens finden Sie in der kommenden Ausgabe 3/2022 der gis.Business.


 





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Red/ae
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